Schon seit Monaten wurde die Veröffentlichung von Eternal Masters herbeigesehnt, wurde spekuliert, diskutiert und evaluiert. Diese Woche ist es endlich so weit, die Sehnsüchte werden erfüllt. Wer freut sich darauf, eine druckfrische Mana Crypt oder Balance, ein Wasteland oder Entomb, einen Sneak Attack oder Jace, the Mind Scultor aus einer Boosterpackung zu ziehen?

Das allein sind bereits fantastische Aussichten. Obendrein lässt sich aber auch mit diesen Boostern wieder draften. Und tatsächlich sieht das Draftformat mit Eternal Masters sogar ganz besonders spaßig und interessant aus!

Das liegt sicherlich mit an den mächtigen seltenen Karten. Die werden früh gedraftet und dann mithilfe der reichlich vorhandenen Länder vom Schlage Blossoming Sands oder Swiftwater Cliffs ins eigene 40-Karten-Deck eingebaut, selbst wenn sie farblich nicht perfekt zum Rest passen. Pilgrim’s Eye hilft dabei ebenfalls, genauso Prismatic Lens.

Colorfix und richtungsweisende Uncommons

Das Gros eines jeden Limiteddecks machen jedoch die Karten mit schwarzem und silbernem Editionssymbol aus. Dazu haben die Entwickler von WotC in die Trickkiste gegriffen und haben einige Raritäten geändert. Das hat teilweise drastische Auswirkungen auf die Draft-Archetypen, da manche Karten als Common oder Uncommon häufiger oder weniger häufig erscheinen als bisher. Insbesondere die Uncommons sind hier interessant: Sie geben die Richtung vor, bestimmen die grundlegende Strategie. Entsprechend lohnt ein genauerer Blick, was die einzelnen Farben in diesem Bereich zu bieten haben und welche Farbkombinationen sich anbieten.

Einfarbige Basis

Weiß

Schlüsselkarten eines weißen Fliegerdecks sind Squadron Hawk, von dem gerne auch mehr als vier Exemplare mitspielen dürfen, sowie Soulcatcher. Dazu wird idealerweise Blau gereicht.

Wer Whitemane Lion und Glimmerpoint Stag verwendet, um zusätzlichen Nutzen aus Wall of Omens oder Aven Riftwatcher zu ziehen, findet weitere Anwendungsmöglichkeiten in Schwarz. Raise the Alarm und Intangible Virtue sind stark im Spielsteindeck; Rally the Peasants deutet dessen bevorzugte Zweitfarbe bereits an. Die zahllosen weißen Verzauberungen und Monk Idealist kombiniert man am besten mit Grün.

Blau

Blau steuert der Luftwaffe Warden of Evos Isle und Sprite Noble bei. Merfolk Looter kann Kreaturen abwerfen, die Schwarz dann wiederbelebt. Quiet Speculation, Silent Departure, Deep Analysis und Oona’s Grace passen wunderbar ins blau-rote Deck. Den Friedhof mit Screeching Skaab, Dream Twist und Fact or Fiction zu füllen, ist außerdem wertvoll, wenn Blau mit Grün kombiniert wird.

Schwarz

Phyrexian Rager, Gravedigger, Nekrataal und andere schwarze Kreaturen mit Fähigkeiten, die beim Betreten des Spielfelds ausgelöst werden, finden in Weiß die perfekten Partner. Ein Grab, aus dem sich Victimize und Animate Dead nach Herzenslust bedienen können, ist mit der Zweitfarbe Blau am leichtesten zu schaufeln.Carrion Feeder futtert bevorzugt rote Goblinspielsteine und Blightsoil Druid, Lys Alana Scarblade et cetera treffen in Grün auf weitere Elfen.

Rot

Rot schickt Mogg War Marshal und Beetleback Chief ins Rennen, verstärkt durch weiße Karten oder zur Stärkung schwarzer Karten. Burning Vengeance und Young Pyromancer profitieren in erster Linie von der Fülle wiederholt spielbarer Hexereien und Spontanzauber in Blau. Im Wald schließlich trifft Kird Ape auf Flinthoof Boar.

Grün

Grüne Karten wie Yavimaya Enchantress undAncestral Mask gehen vorzugsweise eine Symbiose mit den vielen Verzauberungen in Weiß ein. Aber wenn eh schon Abundant Growth das Mana aufbessert und irgendein Honden auf dem Plan steht, gibt es kaum ein geeigneteres Plätzchen, um auch Honden of Infinite Rage und Honden of Seeing Winds unterzubringen. Derweil freuen sich Nimble Mongoose, Werebear und Centaur Chieftain über die Fähigkeit von Blau, schnell viele Karten in den Friedhof zu befördern, am liebsten natürlich Roar of the Wurm. Zu guter Letzt empfangen Elvish Vanguard, Lys Alana Huntmaster und Timberwatch Elf ihre schwarzen Schwestern und Brüder mit offenen Armen.

Zweifarbige Archetypen

Weiß-Blau – Flying Matters

Weiß-blau resultiert häufig in einem als “Skies” betitelten Archetypen. Ein Deck mit (hoffentlich) vielen günstigen Kreaturen mit Flugfähigkeit und ein paar Kreaturen, die sich dem Gegner am Boden entgegenstellen. Zu erwarten sind also Blocker mit hoher Widerstandskraft, Removalsprüche kombiniert mit ein paar Tempo-Sprüchen, um sich selbst genug Zeit zu verschaffen in der Luft für tödlichen Schaden anzugreifen.

Nun zu den Karten, die den Job erledigen sollen:

Der Mistral Charger sieht recht unschuldig aus, ist aber verantwortlich für konstanten Druck ab Zug zwei. Bisher nur als Uncommon gedruckt ist es nun möglich mehr Exemplare dieser Karte in seinem 40-Karten-Deck zu versammeln!

Eine genial gute Option auf Kartenvorteil liefert der Squadron Hawk[/mtg_card] – er nimmt gleich einige seiner Kollegen mit und gerade mit Brainstorm wird der Gegner unter Kartenvorteil begraben. Mit einem zweiten im Deck gerade okay entfaltet er seine Kraft besonders, wenn drei, vier oder gar fünf sich im Deck befinden! Nicht vergessen: Im Draft kann man (wenn man sie findet) auch mehr als vier Exemplare einer Karte spielen!

Phantom Monster ist ein weiterer Kandidat, der nun auch einen Seltenheitsgrad heruntergepurzelt ist. Dieser solide Flieger für vier Mana wird in dem Deck zum Arbeitstier.

Eine der nervigsten Karten der Magic-Geschichte ist mit am Start: Der Standartenträger (wuhu! man darf endlich Standart mit “t” schreiben) kann den Gegner in den Wahnsinn treiben. Der Coalition Honor Guard wird euch nicht enttäuschen. Weist den Gegner immer mit einem Grinsen im Gesicht darauf hin, dass seine Pumpsprüche, Auren und dergleichen bei ihm landen werden…

Wir können zudem endlich wieder eine der besten Tempokarten im Draft spielen: Man-o’-War! Diese Qualle solltet ihr nicht weitergeben, wenn ihr in Blau landen könntet.

Blau-Schwarz – Reanimator/Recursion

In diesem Archetypen geht es nicht besonders um Angriffe, sondern darum den Gegner langsam aber sicher in Kartenvorteil zu ertränken.

Urborg Uprising und Deep Analysis zeigen klar was damit gemeint ist. Wie der Flavortext schon sagt “In Urborg ist kaum etwas weniger permanent als der Tod.”

Merfolk Looter hilft euch die Karten herauszufiltern, die ihr braucht. Nebenbei schaufelt er auch Karten in den Friedhof, die durch Reanimationssprüche oder auch nur für Flashback dort nicht allzu schlecht aufgehoben sind. Die Plague Witch hilft bei der Boardkontrolle, indem sie Kleinkram in Schach hält und dabei ebenfalls den Friedhof nach Belieben füllt.

Sammelt man zudem noch ein Animate Dead auf, so sollte man auch nach ein paar Fatties Ausschau halten. Passend dazu gibt es die Legenden, die in der Phyrexian Arena mitten in Urborg vielleicht noch bis zum heutigen Tage kämpfen:

Und für den Fall, in dem man einen Worldgorger Dragon aufsammeln kann, wird es vollkommen absurd…

Hier noch ein paar Karten, die euch den Archetyp schmackhaft machen wollen:

Schwarz-Rot – Sacrifice

Zum vorherigen Archetypen ergeben sich einige Gemeinsamkeiten, doch hier geschieht alles etwas… aggressiver!

Diese zwei Kollegen verstehen sich beispielsweise wunderbar:

Beide Karten sind als Common zu finden und wenn der Gegner das Spiel mit einem Carrion Feeder eröffnet und einen Mogg War Marshal im zweiten Zug nachlegt wird es hässlich. Wenn dann noch folgende Uncommon dazukommt, wird es gar noch schlimmer:

Unterschätzt den Blood Artist nicht, denn er macht nicht nur jede Kampfphase für den Gegner schmerzhaft, sondern sorgt auch dafür, dass ihr im Damagerace nicht nach hinten fallt. Besonders in einem Deck wie diesem schrumpft euer Lebenspunktekonto beispielsweise durch die Phrase “kann nicht blocken” etwas. Dieser Kerl schafft ausgleich.

In diesem Deck kann man sehr genau bestimmen, wann Kreaturen sterben. Und dann kommt ein Tragischer Ausrutscher und die gegnerische Kreatur landed mit im frisch geschaufeltem Grab.

In dem Archetypen wird man der Herr über kostengünstige, aggressive (und gelegentlich entbehrliche) Bedrohungen. Hier gibt es noch einiges zu erkunden: Zahlreiche Synergien sind hier zu finden.

Rot-Grün Aggro

Zwei Karten verdeutlichen ganz gut, was man in dem Archetyp zu erwarten hat: Flinthoof Boar und Kird Ape!

Was bedeutet das? Überproportional dicke Kreaturen legen und seitwärts drehen!

Unterstützt wird diese Strategie durch eine Kombination aus Pump-Sprüchen und einem Arsenal an Burn, um gnadenlos über den Gegner zu rennen, bevor er sich stabilisieren kann.

Das Deck sieht schlagkräftig und recht konsistent aus. Bestenfalls sammelt man alle Kird Apes ein, die sich am Draft-Tisch tummeln und gibt Gas!

Grün-Weiß – Verzauberungen

Auch hier weisen zwei Karten den Weg in den Archetypen:

Im Grunde dreht sich hier alles um Karten, die sich für das wirken oder kontrollieren von Verzauberungen interessieren. Das Deck benötigt eine kritische Menge an Verzauberungen um funktionsfähig zu sein, zeigt dann aber umso mehr seine Stärke.

Daher ist es wichtig, die starken Auren, für die sich auch andere Spieler am Draft-Tisch interessieren könnten abzugreifen:

Später kann man dann ganz einfach die Archetyp-Spezifischen Karten picken, für die sich sonst keiner mehr interessieren wird:

 

Weiß-Schwarz – Blink/Flicker

“Blinking” bezeichnet den Vorgang in dem eine bleibende Karte das Spielfeld kurzzeitig verlässt und kurz darauf wiederkommt.

Dadurch wird es möglich Trigger, die beim betreten des Spielfelds auslösen, mehrfach zu nutzen. Der dadurch erwirtschaftete Vorteil sichert einem dann den Vorteil im späteren Spielverlauf.

Einer der besten Kandidaten für diese Thematik ist der Glimmerpoint Stag:

Dieser Hirsch kann nicht nur Trigger mehrfach nutzen lassen, wärend man selbst das Spielfeld um einen 3/3er erweitert, sondern er kann auch einen Blocker aus dem Weg räumen oder eine Kreatur von ihren angelegten Verzauberungen befreien.

Thematisch passt dazu ist auch das freiwillige zurücknehmen von Kreaturen auf die Hand:

Mit Flash kommt dieser Löwe immer zum richtigen Zeitpunkt: Er kann so eigene Blocker überaschend vor dem sicheren Tod retten oder Removal ins Leere laufen lassen. Dabei zielt diese Fähigkeit nicht und wird erst bei Verrechnung bestimmt. Darüber freut sich diese verhüllte Bestie:

Calciderm ist für den 5/5-Body, den er mitbringt, sehr kostengünstig. Den Nachteil kann man durch Glimmerpoint Stag oder Whitemane Lion negieren.

Für den entsprechenden Kartenvorteil sorgen die folgenden Kandidaten:

 

Blau-Rot – Flashback

Das Deck kann so verdammt sweet aussehen, wenn man mal durch die Liste an möglichen Karten stöbert. Woran man sicher hängen bleiben sollte, ist eine Karte, die schon den Innistrad-Draft bereichert hat:

Burning Vengance sorgt mit Flashback und Retrace nicht nur für Boardkontrolle, sondern schießt dem Gegner auch noch die letzten Schadenspunkte ins Gesicht.

Um Flashback effizient zu nutzen, bieten sich folgende Karten an, um den Friedhof voll zu bekommen:

Dream Twist mag recht schwach wirken, doch in einem Burning Vengeance Deck hilft es bei der Suche nach mehr Flashback-Sprüchen und ist zudem selbst noch einer!

Neben der Verzauberung gibt es aber noch weitere Karten, die von der Strategie profitieren:

 

Wie man sehen kann, liefert das Deck alle Komponenten, die man für einen Sieg braucht. Je stärker man sich auf diesen Archetypen fokussieren kann, desto besser!

Schwarz-Grün – Elfen

In diesem Format sind die Elfen keine friedfertigen Baumkuschler, sondern sie sind Krieger!

Wie man sehen kann, sind die Elfen solide unterwegs und bringen mit Lys Alana Scarblade sogar mehrfach verwendbares Removal. Lys Alana Huntmaster möchte der Gegner nicht lange am Spielfeld verweilen lassen, die regelmäßig erzeugten Token machen jedes Damagerace zu einer Zitterpartie!

In seinem ersten Druck noch als Rare im Booster kommt dieser nun als Common daher und unterstützt den Aggro-Plan wesentlich!

Rot-Weiß – Spielsteine

Die meisten Rot-Weißen-Archetypen sind typischerweise sehr aggressiv unterwegs. So auch in diesem Format!

Hier wird dies durch eine Vielzahl an Token ermöglicht, die simpel und effektiv das Spielfeld bevölkern:

Diese Karten sind bereits für sich gesehen stark, doch in Kombination mit den folgenden Archetyp-definierenden Karten wird es für den Gegner schwierig sich dem endlosen Strom an kleinen Streitern zu erwehren:

  

Sie zwingen den Gegner schlecht abzutauschen, damit er nicht allzu schnell das Zeitliche segnet und erzeugen so Kartenvorteil. Gezielte Kreaturenzerstörung ist gegen dieses Deck schwach wie nie, denn die Bedrohungen sind komplett redundant. Dieser Archetyp macht einen recht starken Eindruck.

Grün-Blau – Threshold

Threshold oder Grenzwert ist eine Fähigkeit aus dem Odysee-Block, in dem der Friedhof im Fokus stand. Die Karten entfalten ihr wahres Potential, sobald sieben oder mehr Karten im eigenen Friedhof liegen. Dann wandelt sich das Spielfeld teilweise enorm und zuvor noch kleine Kreaturen werden zu echten Bedrohungen! Dazu muss man nur auf die Kampfwerte der folgenden Kreaturen sehen, sobald der Grenzwert erreich ist:

Wie man sehen kann, sollte der Fokus darauf liegen, diesen Grenzwert dann auch recht schnell zu erreichen. Dazu gibt es dankenswerterweise auch zahlreiche Optionen:

Dream Twist und Commune with the Gods erzielen den entscheidenden Grenzwert von sieben Karten im Schnellverfahren. Ersteres kann sogar mitten im Kampf den entscheidenden Vorteil bringen! Quasi nebenbei kann man noch zusätzlich profitieren:

Variable Gestaltung

In der Praxis wird sich das alles freilich nicht so genau zuordnen lassen, werden Überschneidungen und Abweichungen an der Tagesordnung liegen. Rally the Peasants pumpt auch Squadron HawkYoung Pyromancer produziert im nichtblauen Deck vielleicht weniger Spielsteine, die werden von Schwarz oder Weiß aber vielleicht sogar besser eingesetzt. Auf Faithless Looting oder Commune with the Gods folgt bestimmt mal Animate Dead. Mit ausreichend Firebolt und Flame Jab kommt selbst Burning Vengeance ohne Blau aus. Elephant Guide ist im grün-weißen Verzauberungsdeck ebenso zu Hause wie im rot-grünen Hau-drauf-Deck. Plague Witch kann wichtiges Puzzlestück im blau-schwarzen Reanimator sein oder bloß eine Elfe unter vielen in Schwarz-Grün. Und so weiter …

Vorfreude

Ich muss sagen, dass sich meine Vorfreude auf einen Eternal Masters Draft beim verfassen dieses Beitrags nur noch vergrößert hat. Dabei ist all das hier ist nur ein kleiner Ausblick auf die möglichen absurden Spielsituationen und Decks, die sich ergeben können. Es gibt noch viele Synergien zu entdecken und auch gerade die Rares und Mythics werden einzigartige Situationen schaffen.

Habt keine Angst davor, andere Pfade als hier beschrieben zu wählen und spielt gerne auch drei- oder vielfarbig, wenn der Colorfix passt. Als entscheidenden Tipp für die Archetypen möchte ich aber noch einmal hervorheben, wie wichtig es sein kann, alles auf eine Karte zu setzen: Je stärker ihr euch fokussiert, desto weniger Kollegen werden euch am Draft-Tisch hineingrätschen wollen. Gebt also nach Möglichkeit keine Karten weiter, die eure Nachbarn dazu verleiten könnten in euren Archetypen einzusteigen.

Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt, die Decks erwartungsgemäß stark und der Spielspaß ist quasi garantiert. Fröhliches Draften!